21. April 2024

Zivilcourage lernen

Projekte 2023 > Zivilcourage lernen

Unrecht, Gewalt, Diskriminierung, herabsetzende und ausgrenzende Äußerungen begegnen uns im persönlichen Alltag, in der Schule und im sozialen Umfeld. Wir alle haben Verantwortung als Teil einer sozialen, demokratischen Gesellschaft. Zivilcourage erfordert Haltung, Werteverständnis, und Verantwortungsbewusstsein. Jeder kann seinen Beitrag leisten und Verantwortung übernehmen, um das soziale Klima in der Gesellschaft zu stärken.

Gerade Jugendliche werden in Schule und im privaten Umfeld damit konfrontiert und sind dann oft hilflos und überfordert.
Sie trauen sich nicht aktiv zu werden, schauen zur Seite, wenn Mitschüler beschimpft, beleidigt oder geschlagen werden, oder wissen nicht was sie tun sollen, wenn sie selbst betroffen sind.
Es fehlen ein selbstbewusstes Auftreten, die richtigen Handlungsstrategien, und der Mut, sich einzumischen. Man muss selbst AKTIV werden, um Unrecht und Diskriminierung entgegenzutreten.
Zivilcourage bedeutet nicht, sich bei Gewaltsituationen selbst in Gefahr zu bringen. Couragiertes Miteinander bedeutet, dass rassistische, sexistische oder diskriminierende Bemerkungen, Mobbing oder sonstige Formen der Grenzüberschreitung und Respektlosigkeit nicht akzeptiert werden und Betroffene Unterstützung erhalten.
Achtsamkeit und Empathie, verbunden mit einer klaren Haltung ermöglichen ein verantwortliches Handeln, wodurch oft weitere Konflikte und Übergriffe verhindert werden. Es braucht Mut für etwas einzutreten und persönliche Verantwortung für Gerechtigkeit, Wahrheit und Menschenwürde zu übernehmen.
Zivilcourage wird auch als sozialer Mut beschrieben, bei dem demokratische und freiheitliche Werte verteidigt und geschützt werden. Es gibt viele Möglichkeiten zu zivilcouragiertem Verhalten, wobei es sich immer um ein werteorientiertes Handeln, das meistens öffentlich stattfindet, handelt.

Vorbereitungsphase: (März 23)
Gespräche mit der Kursleiterin Frau Gebhard
Detaillierte Abstimmung des Projekts mit den Tutorinnen und Tutoren der involvierten Klassen
Klärung des zeitlichen und örtlichen Rahmens mit Schulleitung:
(Wochentag, Unterrichtsstunden, Räumlichkeiten)
Information und Einbeziehung der Schulsozialarbeiterin sowie der
Pädagogischen Fachkräfte in das Projekt
Elterninformation (Elternabend, Elternbrief)

Vorstellung des Projektes im Rahmen einer Dienstbesprechung

Hauptphase: (Mitte März 2023 bis Dezember 2023)
Im Rahmen einer AG werden die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit der Referentin, auch an Praxisbeispielen üben, wie man sich in schwierigen Situationen verhalten kann.
Die Teilnehmenden werden für die Notwendigkeit von zivilcouragiertem Verhalten im Alltag sensibilisiert.
Sie üben konkrete Handlungsoptionen und erweitern so ihr eigenes Verhaltensrepertoire für Zivilcourage.
So werden sie zu zivilcouragiertem Verhalten und aktivem Eintreten für Demokratie und Menschenrechte/-würde ermutigt.
In Situationstrainings können die Schüler das Gelernte aktiv anwenden lernen.
Übungen, um die Körpersprache und das selbstbewusste Auftreten zu verbessern, unterstützen die erarbeitenden Erkenntnisse
Den Schülern wird durch Übungen und in Rollenspielen vermittelt, wie man aktiv eingreifen und helfen kann, ohne sich selbst in Gefahr zu begeben.
Das Zivilcouragetraining soll dabei helfen, dass sich Schüler, für ihre Mitschüler, die durch Vorurteile und Rassismus ausgegrenzt, angegriffen und, oder diskriminiert werden, einsetzen und sie unterstützen. 
Die Teilnehmenden lernen, dass nicht die Heldentat gefordert ist, sondern Interventionen, die eine weitere Eskalation verhindern und die Gewaltsituation unterbrechen. Die Teilnehmer/innen können im Rahmen der AG ausprobieren, welche Möglichkeiten des Intervenierens zu Ihnen passen, denn die Handlungsmöglichkeiten sind für jeden Menschen individuell verschieden.

Auch Schülerinnen und Schülern, die diskriminierende Erfahrungen gemacht haben, bekommen Verhaltensweisen aufgezeigt, um sich gewaltfrei zur Wehr zu setzen und sich Hilfe zu holen.
Das Projekt soll im Rahmen einer zweistündigen AG am Nachmittag sowohl im 2. Halbjahr 22/23 als auch im 1. Halbjahr 23/24 angeboten werden

1. Termin (2 Unterrichtsstunden)

Regeln für die AG gemeinsam erarbeiten Teamspiel (Helfen und eingreifen) Was bedeutet Zivilcourage. (Definition) Unterschied Helfen und Zivilcourage erarbeiten.

2. Termin (2 Unterrichtsstunden)

Erfahrungsaustausch zum Thema Zivilcourage, Übungen dazu

3. Termin (2 Unterrichtsstunden)

Rollenspiel Zivilcourage, Wie kann ich helfen? Was kann ich tun?

4. Termin (2 Unterrichtsstunden)

Zivilcouragebarometer, Eisbergmodell Übung zur Empathieförderung

5. Termin (2 Unterrichtsstunden)

Eckenspiel, Zivilcourage, Erfahrungsaustausch

6. Termin (2 Unterrichtsstunden)

Zur eigenen Meinung stehen Schulhofsituationen Gemeinsam erarbeiten, wie man helfen kann Übung, um Gelerntes unter Stress anzuwenden Fragen zum Thema bearbeiten und Ergebnisse vorstellen

7. Termin (2 Unterrichtsstunden)

Schritte der Hilfeleistung, Übungen

8. Termin (2 Unterrichtsstunden) Film über Zivilcourage

Übung: Helfen, ohne sich in Gefahr zu begeben Übung: Opferklau

9. Termin (2 Unterrichtsstunden)

Wie kann ich helfen, Erarbeiten von Strategien

10. Termin (2 Unterrichtsstunden)

Übungen und Rollenspiele selbst erarbeiten und Strategien zum Helfen entwickeln.

11. Termin (2 Unterrichtsstunden)

Übung: Selbstbewusst auftreten, Gassenlauf

12. Termin (2 Unterrichtsstunden)

Erlebnispädagogik Zweier-Parcours mit verbundenen Augen Kommunikation, Vertrauen, Verantwortung und Einfühlungsvermögen Reflexion

13. Termin (2 Unterrichtsstunden)

Konfliktgespräche führen (spiegeln, nachfragen, wiederholen, aktives Zuhören…) Übungen dazu, Körpersprache

14. Termin (2 Unterrichtsstunden)

Richtiges Grenzen setzen, Intervention, Rollenspiele und Übungen

15. Termin (2 Unterrichtsstunden)

Stimmübungen Wahrnehmungsübungen Übungen, um gemeinsam einzugreifen Übung Kommunikation (Nachrichtenübermittlung)

16. Termin (2 Unterrichtsstunden) Szenarientraining (Anwenden des Gelernten) Abschlussgespräch

Nachbereitungs- und Nachhaltigkeitsphase: (Juli 2023 und Dezember 2023)
Im späteren Unterricht wird noch einmal gezielt über Erlebnisse im Anschluss an die Veranstaltung gesprochen und reflektiert. Es wird interessant sein, zu erfahren, wie die Schülerinnen und Schüler das Zivilcouragetraining in verschiedensten Situationen in der Schule und auch privat anwenden und umsetzten konnten. Um die Nachhaltigkeit dieses Projektes zu gewährleisten, wird die Schule Inhalte von diesem in ihre pädagogische Arbeit miteinbeziehen. Dazu können der wöchentlich stattfindende Klassenrat oder Aktionstage genutzt werden. Insbesondere der Klassenrat fördert das demokratische Miteinander und die Partizipation in einer Institution. Nachhaltig verfolgt dieses Projekt das Ziel, Werte wie Respekt, Zivilcourage, Empathie, Toleranz, das Miteinander, gegenseitige Wertschätzung und das demokratische Bewusstsein zu fördern.

Gender Mainstreaming:
Neben der Präventions- und Aufklärungsarbeit spielt auch die Umsetzung von Gender Mainstreaming eine Rolle, denn sowohl beim Vortrag selbst als auch in der späteren Übertragung des Gelernten in die Praxis werden die unterschiedlichen Lebenslagen von Schülern und Schülerinnen und die Auswirkungen auf beide Geschlechter berücksichtigt werden. Es wird beobachtet werden, ob Schüler und Schülerinnen unterschiedlichen Anfeindungen ausgesetzt sind und wie man die Ausgangssituation beider Geschlechter stärken kann. Bei der Durchführung und Bewerbung des Projektes wird auf geschlechtssensible Sprache und Darstellung geachtet.
Des Weiteren geht es bei dieser Veranstaltung auch darum, Schülerinnen und Schüler, die aus oft diskriminierten Gruppen kommen, zu stärken.

Diversity Mainstreaming:
Bei allen geplanten Aktivitäten wie z. B. Rollenspielen, dem Erlernen von Argumentationsmöglichkeit werden die individuellen Unterschiede der einzelnen Schülerinnen und Schüler (Alter, körperliche Befähigung) berücksichtigt und gewertschätzt.

Umsetzung unter Pandemiebedingungen
Das Projekt ist auch unter Pandemiebedingungen unter Beachtung des aktuellen Hygieneplans für Schulen (AHA) möglich.

Digitale Umsetzung
Eine digitale Umsetzung des Projekts ist nur sehr eingeschränkt möglich. Einzelne Elemente des Trainings, wie beispielsweise Filmebeiträge oder Diskussionen könnten teilweise über das landesweite Videokonferenzsystem (Bigbluebutton) abgebildet werden.