3. Februar 2023

InsideOut – Die letzte Mission

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Die Bekämpfung gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe von zentraler politischer Bedeutung. Ideologien der Ungleichwertigkeit und Abwertung diverser Bevölkerungsgruppen sind in Deutschland weit verbreitet: laut der Studie „Verlorene Mitte“ besaßen im Jahr 2018/2019 rund 19 Prozent der befragten Personen eine fremdenfeindliche Einstellung und sogar fast ein Viertel äußerte sich antisemitisch auf Israel bezogen. Rund 7 Prozent der Befragten in Deutschland stimmten rassistischen Äußerungen zu.
Dieses Phänomen schafft in der Gesellschaft zwischenmenschliche Barrieren, was zu einer Schwächung oder Spaltung unserer demokratischen Gesellschaft führen kann, weswegen die Aufklärung, Prävention und Bekämpfung dieser Tendenzen unentbehrlich ist.

Wir als Berufsbildende Schule sehen uns in der Verantwortung, Jugendliche und junge Erwachsene zu sensibilisieren und darüber aufzuklären, wie Mechanismen Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit funktionieren, eigene Vorurteile und Denkmuster offen zu legen und zu reflektieren, um solche zu druchbrechen.

Der geplante Projektpartner INSIDE OUT entwickelt Programme und Workshops zur politischen Bildung und Prävention von Extremismus, Radikalisierung und Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.
Um dies nachhaltig und ganzheitlich zu leisten, verbindet INSIDE OUT Praxis und Forschung mit künstlerischen Methoden, die einen Perspektivwechsel bei den Teilnehmenden provozieren. 
Wir als BBS Rodalben haben uns aus dem Angebot von INSIDE OUT das Projekt –nach intensivem Austausch mit den Verantwortlichen bei INSIDE OUtT- „Die letzte Mission“ als Vorbereitung auf das für das Jahr 2022 geplante Projekt „X- Games“ ausgewählt welches Jugendliche in einer Art Stand-Up auf humorvolle Art zum Blick auf Konflikte der Welt aus einer Vogelperspektive befähigt, um solche kritisch zu hinterfragen. (Vorbereitungsphase)

Gerade die spielerische Herangehensweise eines interaktiven Theaterstücks erscheint uns als Schule sehr gewinnbringend, da die Teilnehmenden aus der Perspektive des Zuschauenden herausgenommen und in die gestaltende, teilnehmende Rolle hineinversetzt werden.

Im Anschluss an das Spiel durchlaufen die Teilnehmenden zusammen mit dem Spielleiter unter Beteiligung der projektleitenden Lehrkräfte eine Nachbereitungsphase, die an das eigene Erleben und Empfinden, aber auch die Methoden der Durchführung während des Spiels anschließt. In dieser Reflexion werden die erlebten extremistischen Methoden dekonstruiert und damit für alle, unabhängig von individuellen Wissensbeständen, greifbar und transparent gemacht. Zudem werden den Teilnehmenden schlussendlich Erkennungs- und Widerstandskompetenzen zu extremistischen Systemen an die Hand gegeben. (Haupt- und Nachbereitungsphase)

Bei der Auswahl der teilnehmenden Gruppen wurde darauf geachtet, dass sich das Projekt thematisch im Lehrplan verankern lässt: (Nachhaltigkeit – siehe auch Punkt 5 des Antrages)
Die Berufsfachschule 2, Fachrichtung Wirtschaft und Technik, führt zum Qualifizierten Sekundarabschluss I (Mittlerer Schulabschluss) und verbindet berufsübergreifende Lerninhalte mit berufsbezogenen Projekten aus den einzelnen Fachrichtungen. Ziel des Bildungsganges ist die Förderung der Handlungskompetenz der Schülerinnen durch lebensnahe Erfahrungs- und Lernsituationen, die den individuellen Lernprozess unterstützen, auf beruflicher und persönlicher Ebene. Die Lerngruppe lässt sich als heterogen bezeichnen. Unterrichtlich wird die Urteilsfähigkeit und Hilfestellung zum Erlangen einer demokratischen Mündigkeit stetig angestrebt. Es kam in der Vergangenheit bereits zu Unterrichtsthemen im Bereich Rassismus und Diskriminierung, Gleichberechtigung und –behandlung, Verantwortung und Mitgefühl in demokratischen Systemen und es wurde deutlich, dass einige Jugendliche Meinungen entwickelt haben, die einem demokratischen Verständnis in Teilen widersprechen, wenngleich dies nicht bei der Mehrheit der Lernenden zu erkennen ist. Bei der Aufarbeitung dieser Haltungen wurde zum einen deutlich, dass es den Schülerinnen oftmals an faktischem Hintergrundwissen – und der Fähigkeit sich dieses eigenständig zu besorgen und anzueignen – fehlt und zum anderen Meinungen oft unreflektiert übernommen und wiedergegeben werden, die sie in ihrem privaten Umfeld, online oder offline, treffen.
Die Projektidee greift unmittelbar den Anforderungshorizont des Lehrplans auf und lässt sich daher gut in den fortlaufenden Unterricht der Klasse BF1G21 implementieren. Neben der Förderung von Unterrichtsprojekten sollen die Lernenden insbesondere im Fach Sozialkunde dazu befähigt werden, andere Meinungen kennenzulernen und miteinander zu diskutieren. Der Lehrplananspruch zielt damit unmittelbar auf den Ausbau eines pluralistischen Demokratieverständnisses ab. Der Pluralismus ist ein zentrales Ideal der Demokratie, für die Schülerinnen ist es daher von großer Bedeutung dieses Leitbild zu identifizieren. So gilt es allen Menschen, die in einem Staat leben, Achtung und Respekt entgegenzubringen und die Vielfalt der Gesellschaft anzuerkennen. Die Lerngruppe besteht aus insgesamt 17 Schülerinnen, die als sehr heterogen zu bezeichnen ist. Dies liegt nicht zuletzt darin begründet, dass knapp 2/3 der Klasse einen Migrationshintergrund vorzuweisen hat. Unterschiedliche Kulturen und Werteverständnisse prallen demnach immer wieder aufeinander, dennoch haben sich die Lernenden gut miteinander arrangiert, sodass ein wertschätzender und sozialer Umgang untereinander praktiziert wird. Gleichzeitig ist im Verlauf des Unterrichtsjahres zu beobachten, dass primär Schülerinnen  mit Migrationshintergrund Schwierigkeiten mit der vollständigen Integration ins Klassengefüge haben. Ursächlich hierfür sind neben sprachlichen Barrieren auch Verhaltensmuster anzuführen, die die Lernenden unreflektiert von sich geben. In diesem Sinne können beispielsweise Kommentare wie „nur weil ich Ausländer bin …“ oder „wir Syrer sind eben besonders schlau … “ ausgemacht werden. Diese Kommentare zeigen, dass sich trotz eines guten Klassenklimas, einige Schülerinnen isoliert und fremd fühlen.
Auf dem Weg zum mündigen Bürger müssen die Schüler*innen daher unbedingt lernen, dass Vielgliedrigkeit, Interessenvielfalt und vielfältige Lebensstile, den Rahmen einer pluralen demokratischen Gesellschaft bilden.
Die Umsetzung von Gender Mainstreaming, Diversity Mainstreaming und Inklusion ist im Hinblick auf die jeweiligen Klassen dargestellt. Es wird durchgehend auf die Schaffung verschiedener Zugänge und die Einbindung aller geachtet.

Die Ziele des Projekts beziehen sich auf die Aspekte „M3 Präventions- und Bildungsangebote zeigen Handlungsalternativen auf (z.B. Gewaltprävention, Zivilcourage-Training, Wertschätzendes und gewaltfreies Miteinander, Aufklärungsarbeit über versch. Religionen, Jung und Alt zusammen)“ sowie „M7 Stärkung der Zivilgesellschaft (einschließlich der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen) bei der Auseinandersetzung mit aktuellen Konflikten – im Sinne demokratischen Handelns“ der lokalen „Partnerschaft für Demokratie“, da „Die letzte Mission“ eben genau diese Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit auf interaktive Weise umsetzt und damit offenbart, wie gefährlich und unterschwellig diese in der Gesellschaft und einem Individuum vorhanden sein können, bevor die Lernenden über die Methode der Reflexion zu einem sachlogischen Urteil hinsichtlich der Problematik gelangen können.

Es entspricht dem Leitbild und dem Schulischen Qualitätsverständnis der BBS Rodalben, eine nachhaltige und auf vielfältige Weise angesprochene Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen und ein soziales Miteinander bis hin zu der Entwicklung zu mündigen, demokratischen Werten lebendenden Mitbürger*innen auf Basis der Kooperation mit einem professionellen außerschulischen Partner zu fordern und fördern sowie dies in Lernarrangements zu verwirklichen, die zeitgemäß eigenständiges und eigenverantwortliches Lernen und daraus resultierendes Handeln begünstigen.