3. Februar 2023

Miteinander, nicht gegeneinander

Projekte 2020 > Miteinander, nicht gegeneinander

Vermehrt beobachten wir in unserer Einrichtung die mangelnde Fähigkeit der Kinder, den Alltag im Umgang miteinander positiv und wertschätzend zu gestalten.
Im Gruppengeschehen werden Spiele von einzelnen Kindern und/oder Spielgruppen unterbrochen, der Umgangston miteinander ist rau. Es kommt vermehrt zu Kraftausdrücken bis hin zu Äußerungen wie „Ich mach Dich tot“. Dadurch entstehen bei den betroffenen, angegriffenen Kindern Ängste und Unsicherheiten.
Kinder schließen sich zu Gruppen zusammen und grenzen einzelne Kinder aus.
Nicht selten werden Konflikte mit verbalen und/oder körperlichen Aggressionen gelöst.
Im Außengelände finden regelrechte Kämpfe statt, die zum Teil ein erschreckendes Ausmaß annehmen. Dabei geht es eigentlich nicht darum zu verletzen oder zu verängstigen, aber den Kindern fehlt es an Gespür dafür, wo ein angemessenes Spiel endet und wo Verletzung bzw. Verängstigung des Anderen beginnt.
Wir führen diese Entwicklung auf einen erheblichen Einfluss von modernen Medien zurück. In den Spielen ist häufig die Rede von medialen Figuren oder Sendungen, welche die Spielverläufe bestimmen.
Wir beobachten im Miteinander mangelnde Empathie und Kommunikationsfähigkeit. Auch die Wahrnehmung von körperlichen Aggressionen und die Wirkung, die diese auf das Gegenüber hat ist oft eingeschränkt.
Wir Erziehrinnen stehen dem Geschehen häufig ratlos gegenüber. Es ist uns wichtig, eine angenehme, sichere Umgebung für die Kinder zu schaffen, in der sich jedes Kind wohl und sicher fühlen kann.
Gleichzeitig sehen wir die Impulse der lauten, aggressiven Kinder, die ihren Ursprung haben und von den Kindern übers Spiel verarbeitet werden wollen und müssen.
Grundlage für die positive Veränderung der Situation ist die Schulung der Selbstwahrnehmung. Erst durch eine gute Selbstwahrnehmung und Körperbewusstsein kann im nächsten Schritt die Wahrnehmung und Berücksichtigung der Bedürfnisse des Gegenübers stattfinden.
Damit einhergehend ist die Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit unbedingt notwendig. Gefühle und Bedürfnisse müssen in Worte gefasst werden können.
Dies wiederum ist Voraussetzung zur Vermeidung von Konflikten oder einen besseren, angemesseneren Umgang damit.
Hier setzt das Projekt an.

Im Mittelpunkt steht die Schulung der Selbstwahrnehmung, Empathie und Kommunikationsfähigkeit. Des Weiteren ein positiver Umgang im täglichen Miteinander, sowie die Vermeidung von Konflikten bzw. ein angemessener Umgang damit.
Wichtig ist uns, dass alle Kinder unserer Einrichtung ihrem Entwicklungsstand entsprechend an der Erarbeitung der Thematik beteiligt sind.

Vorbereitungsphase

Im Team haben wir das Thema im kollegialen Austausch definiert und die unten genannten Schwerpunkte herausgearbeitet. Auch dass es uns methodisch wichtig ist, die Projekte der externen Projektbetreuer nah zu begleiten, um Gehörtes und Gesehenes zu vertiefen und umzusetzen.
Mit den begleitenden Betreuern wurde besprochen, dass uns eine Beteiligung aller Kinder, Erzieher und Eltern besonders wichtig ist damit dies bei der Projektplanung berücksichtigt werden kann.
Die Gruppengröße wird sich in den Kleingruppen je nach Alter gestalten, d. h., je kleiner die Kinder, umso kleiner die Projektgruppe. So kann jedes beteiligte Kind den größtmöglichen Effekt aus den Projekten ziehen.
Durch den Einsatz themenbezogener Medien wie Bilderbücher, Geschichten und/oder Filmsequenzen wollen wir einen Einstieg ins Thema erreichen.

Mit den Kindern erarbeiten wir Fragestellungen

  • Wie gehen wir miteinander um?
  • Worüber streiten wir?
  • Wie fühle ich mich/ fühlt der andere sich bei einem Streit?
  • Woran kann ich erkennen, wie sich jemand fühlt?
  • Was ist uns im Umgang miteinander wichtig?
  • Gibt es bei uns Ausgrenzung? Warum?
  • Wie ist das für den, der ausgrenzt ist?

Über diese Fragestellungen sollen sich die Kinder sollen sich mit dem Thema identifizieren.
Bei der Erarbeitung der genannten Medien steht der Blick auf die Wahrnehmung der Emotionen und die Benennung derselben im Vordergrund. Dies geschieht auch mit der Durchführung von Rollenspielen.

Hauptphase

Durch Körpernah- Übungen wie gegenseitige Massagen, Abrollen mit Igelbällen und Beschäftigung mit unterschiedlichen taktilen Reizen soll die Körperwahrnehmung individuell geschult werden.
Dabei sind auch Partnerübungen ein wichtiger Bestandteil. So ist jeder in der Rolle des Annehmenden und in der Rolle des Gebenden. Das Wir- Gefühl wird gestärkt. Jeder kann und soll formulieren, was ihm guttut. Der/Die Partner/in soll üben, diesen Bedürfnissen nachzukommen.
Obgleich die Schulung der Ausdrucks- und Kommunikationsfähigkeit ein wichtiger Bestandteil unseres Projektes ist, so stoßen doch einige Kinder aufgrund ihres Alters, Entwicklungsstandes oder ihrer sprachlichen Möglichkeiten an ihre Grenzen. Deshalb sollen alle Kinder Möglichkeit erhalten, kreative Ausdrucksformen für ihre Emotionen und Befindlichkeiten zu finden. Hier bekommen wir Unterstützung von den Mitarbeitern der JuKuWe. Konkret werden die Kinder unter Begleitung von Pouya Nemati die Möglichkeit bekommen, mit Farbe auf Leinwand zu arbeiten.
Weiterhin sollen die Vorschulkinder 2020 (12 Kinder) von April bis Mai in Kooperation mit Frau Ina Gebhard das Projekt „Reden ist besser als schlagen“ durchführen, welches ihnen konkrete Strategien zur Vermeidung und den Umgang mit Konflikten und Gefahren an die Hand gibt. (siehe Anlage1)
Von Oktober bis November sollen die Vorschulkinder 2021 (19 Kinder) in zwei Gruppen das Projekt „Reden ist besser als schlagen“ mit Frau Gebhard durchführen.
Die Durchführung des Projektbestandteils „Reden ist besser als schlagen“ in Kleingruppen steigert das Wir- Gefühl. Bei ihrer Einschulung sind sich die Kinder so vertraut, können auf gemeinsame Inhalte und Erfahrungen zurückgreifen und können sich gegenseitig gegen evtl. Einflüsse von außen schützen und stützen.
Am Abschluss der jeweiligen Projektphasen mit Frau Gebhard (Mai und November) steht ein Besuch im Kletterpark Camp 4 in Zweibrücken. Die Kinder klettern Indoor mit spezieller Ausrüstung an Kletterwänden. Dabei bilden sie Teams. Die Teams müssen sich gegenseitig beim Klettern sichern. Dies erfordert ein großes Maß an Vertrauen und eine gute Kommunikation.

Nachbereitungs- und Nachhaltigkeitsphase

Sowohl der Kreativprojekt-Teil als auch der Projekt-Teil von Frau Gebhard werden von den Erzieherinnen begleitet, im Folgenden mit den Kindern aufgearbeitet und vertieft und die Inhalte altersgerecht auf die anderen Altersgruppen übertragen.
Durch die Durchführung eines Elternabends, an dem alle Eltern teilnehmen können und sollen, werden auch die Eltern für die Thematik sensibilisiert und können zu Hause mit den Kindern im Gespräch bleiben.
Da uns das Thema über einen Zeitraum von Monaten beschäftigt, neben den Kindern auch Team und Eltern in die Erarbeitung der Thematik involviert sind, ergibt sich eine gute Voraussetzung für eine intensive Erarbeitung der Thematik. Durch die Wiederholung der Projektbausteine durch externe Projektleiter*innen werden in Teilen alle (Interne Erarbeitung durch das Erziehungspersonal und Kreativprojekt) bzw. sehr viele Kinder der Einrichtung (Projekt Vorschulkinder 2020 und 2021) erreicht. Dadurch sehen wir die Nachhaltigkeit gegeben.
An unserem Projekt werden alle Kinder unserer Einrichtung, unabhängig von Alter, Geschlecht, Entwicklungsstand oder Herkunft altersgemäß beteiligt.
Wie bereits beschrieben äußern sich die Auffälligkeiten bei den Jungs eher in offensiv- aggressivem Verhalten. Für diese Kinder ist der aktive Teil mit praktischen Übungen besonders gut geeignet, da sich ganz konkrete Handlungsalternativen einüben lassen.
Die Durchführung des Projektanteils der JuKuWe und das Abschlussprojekt in der Kletterhalle erfolgt explizit durch männliche Projektleiter, Somit gibt es für die Kinder Personen beiderlei Geschlechts als Ansprechpersonen.
Wie in Punkt 1 beschrieben, stellen sich die Themen unterschiedlich dar. Bei den Jungen überwiegt eher aggressive Thematik in Wort und Tat. Auch die Clanbildung mit wenig Rücksicht und Gespür für die Restgruppe überwiegt hier.
Bei den Mädchen beobachten wir vermehrt das Phänomen der Ausgrenzung. Es gibt hier sehr starke Charaktere, die sehr darauf bedacht sind, ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Dabei wird versucht andere zu beeinflussen und oft bleiben einzelne Mädchen alleine zurück. Diese sind dann sehr verzweifelt und hilflos.

Unser Projekt soll geschlechtsspezifisch an den beschriebenen Themen andocken.